Leben und Werk des Johann Gfall

 
 

(auszugsweise entnommen einem Essay mit dem Titel „Ein „peintre-architecte“ in Diensten der Grafen Harrach“ von Angelika Pötschner/Peter Adam in der „Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege“ - 2014, Heft 1/2)

Johann Gfall wurde am 7.Okt. 1725 im Tiroler Kaunertal geboren und erhielt dort seine erste Ausbildung. In Wien besuchte er in den Jahren 1744 und 1745 die Architekturklasse an der kaiserlichen Akademie. Nachdem der Betrieb der Akademie vorübergehend eingestellt wurde – aus der Hofbibliothek musste man ausziehen, eine umgehende Verlegung an einen neuen Standort war nicht möglich - betätigte sich Gfall kurze Zeit als Zeichenlehrer im Waisenhaus am Rennweg. Danach setzte er seine Studien in Architektur und Architekturmalerei beim Theatermaler Antonio Galli-Bibiena fort. Dabei dürfte er ihn auch bei der malerischen Ausgestaltung der Trinitarierkirche in Pressburg unterstützt haben. 1749 konnte Gfall die Ausbildung an der wiedereröffneten Akademie fortsetzen und erhielt im Jahre 1750 den ersten Preis für Architektur beim Wettbewerb zur Errichtung eines “Theatrum für einen regierenden Hof“.

Ein reges Wanderleben führte ihn in der Folge nach Deutschland, Italien und Paris, wo er 1755 bis 1757 beim Theaterarchitekten des französischen Hofes, Giovanni Nicolo Servandoni, ausgebildet wurde, wobei der Focus auf die Erstellung von Bühnendekorationen und Festinszenierungen gerichtet war. Ende 1757 kehrte Gfall aus Paris zurück nach Wien und übergab der Wiener Akademie sein Aufnahmewerk. Das Mitgliedsdekret erging Anfang 1758 an Gfall.

Den künstlerischen Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildete fortan die Dekorationsmalerei. Dabei fügt er Szenerien in Scheinarchitekturen und gemalte Stuckaturen ein. Er erhielt 1760 den Auftrag zur Freskenausstattung in der neu errichtenden Trinitarierkirche in Obuda (Kiscelli). In den folgenden Jahren hielt Gfall ständigen Kontakt mit den Auftraggebern aus der Hocharistokratie, denen zahlreiche Aufträge folgten. Im Wiener Garten der Grafen Schönborn verzierte er ein Gebäude mit Antiken. Im herzoglichen Schloss zu Braunschweig schuf er als Ölgemälde sein einziges Deckenbild mit mythologischem Thema. Äußerst beliebt waren auch seine „kurzlebigen“ Festdekorationen. Dazu zählt z. B. 1764 ein Entwurf im Auftrag des Grafen Schönborn für die Festillumination von Schloss Heusenstamm anlässlich des feierlichen Einzuges von Kaiser Franz I. im Rahmen der Krönung seines ältesten Sohnes Joseph zum römisch-deutschen König in Frankfurt.

1765 ging Gfall nach Klagenfurt, wo er für den Bibliothekssaal und den Speisesaal von Stift Viktring einen reichen Freskenschmuck (freigelegt1978) schuf. Weiters gestaltete Gfall neue Dekorationen für das Klagenfurter Theater. Auch für das damals neu erbaute Theater in Ljubljana schuf er das Deckengemälde und die Vorhänge (heute nur noch in Plänen überliefert). Auch in Wien, Niederösterreich und dem Königreich Ungarn sind zahlreiche Arbeiten belegt, jedoch zum Großteil nicht mehr erhalten.

Für die Grafen Harrach hat Gfall um 1769 in den Pfarrkirchen von Parndorf und Neudorf gearbeitet. Aller Wahrscheinlichkeit nach schmückte er auch die Pfarrkirche von Bruck an der Leitha im Auftrag der Familie Harrach. Auch die Apsismalereien in der Pfarrkirche in Jois (einer Kirche unter kaiserlicher Patronanz) stammen von Gfall.

Die weiteren künstlerischen Aktivitäten reichen von der Mitwirkung bei der Freskenausstattung in der Wiener Lichtenthaler Pfarrkirche, über die Wandmalereien im Speisesaal und an der Außenfassade des Zisterzienserklosters Fürstenzell (Bayern), die Pfarrkirche von Sulzbach (Bayern), bis zum Wiener Schottenstift. Eines seiner letzten überlieferten Projekte ist der mit 1796 datierte Vollendungsplan für die Michaelerfront der Wiener Hofburg.

Am 15. April 1799 starb Johann Gfall im Allgemeinen Krankenhaus in Wien.

Das außergewöhnliche Können Johann Gfalls liegt in der Architekturmalerei. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit illusionistische Architektur und Ausstattung so zu gestalten, dass für den Betrachter nicht erkennbar ist, ob es sich um Malerei oder Architektur bzw. um plastisch geformten Stuck handelt. Die mittels perfekter perspektivischer Darstellung vorgetäuschte Dreidimensionalität schafft ein besonderes Raumempfinden. Von der hervorragenden künstlerischen Qualität Johann Gfalls kann man sich in der Pfarrkirche zum hl. Ladislaus in Parndorf überzeugen. Dort stammen die vor einigen Jahren freigelegten Wandmalereien im Altarraum auch von Gfall, wobei diese knapp vor der malerischen Gestaltung der Kirche in Neudorf geschaffen wurden.

 

 
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